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19.05.2017

Bronnbacher Abteigarten wieder eröffnet

Nach drei Jahren Sanierung sind die Arbeiten im historischen Bronnbacher Abteigarten abgeschlossen. Begonnen hatten diese im Februar 2014. „Damit ist nun eines der wichtigsten Projekte für Bronnbach umgesetzt worden“, sagte Landrat Reinhard Frank am Donnerstagabend erfreut. Zur Garteneröffnung fand ein Festakt mit 250 Gästen und großem Barockfeuerwerk zum Abschluss statt. Die Gartensanierung sei ein besonders wichtiger Baustein zur Erhaltung der Klosteranlage Bronnbach als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung.

Mit dem Durchschneiden des Bandes wurde der Garten eröffnet.

Der Abteigarten aus dem 18. Jahrhundert ist für das Gesamtensemble Kloster Bronnbach hoch bedeutend. Gründe dafür sind der besonders wertvolle, in der Originalsubstanz erhaltene Figurenschmuck sowie seine zentralen Lage vor der Hauptfassade des Klostergebäudes. Diese gibt ihm seine Funktion als Mittelachse der ehemaligen Zisterzienserabtei.

Der Barockgarten ist in seiner Struktur weitgehend erhalten, war zuletzt jedoch in einem sehr schlechten Allgemeinzustand. Feuchtigkeitsschäden an Mauern, Balustrade und Skulpturen sowie ein weitestgehend verlorener Pflanzenbestand machten die umfassende Sanierungsmaßnahme notwendig, um das bedeutende Gartendenkmal für die Zukunft bewahren zu können.

In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurden die gesamten Sanierungsmaßnahmen entschieden und ausgeführt. Zunächst wurde die zum Teil einsturzgefährdete Mauer stabilisiert und wurden die 800 Stützen (Baluster) der umlaufenden Balustrade aus Sandstein saniert. Dazu wurden zunächst mit einem sanften Hochdruckreiniger Moos und Pilze, dann mit einem Niederdrucksandstrahlgerät Wurzeln und Flechten entfernt. „Alle Arbeiten führten wir so substanzschonend wie möglich durch“, berichtete Architekt Michael Bannwarth, der die Sanierungsarbeiten betreute. Nach der Reinigung wurden einige stark marode Baluster abgebaut, andere wiederum direkt vor Ort saniert oder ersetzt.

Im Mai 2014 brachten Fachleute des Steinmetzbetriebes Hornung aus Bopfingen (Ostalbkreis) mehr als 20 wertvolle Barockfiguren aus dem Garten in ein Depot. Teilweise waren die Figuren so stark beschädigt, dass sie erst nach aufwändiger Sicherung von ihrem ursprünglichen Postament gehoben werden konnten. Dazu wurden die Figuren mit Spezialbinden umwickelt, die mit mineralischen Flüssigkeiten (Bindemitteln) getränkt waren.

Die Sanierung der Figuren fand durch acht Fachrestauratoren direkt in Bronnbach statt. Auf Grundlage einer Schadenskartierung, einer Fotodokumentation und weiterer restauratorischer Befunduntersuchungen wurden die barocken Figuren des Abteigartens fachmännisch konserviert. Die Experten untersuchten beispielsweise die durch Feuchtigkeit entstandenen Salzausflockungen der Sandsteine, um entsprechende Restaurierungsmaßnahmen vorzunehmen.

„Es ist etwas ganz besonderes, dass nach der Fertigstellung wieder die originalen Figuren im Abteigarten aufgestellt werden“, berichtet Eigenbetriebsleiter Dr. Matthias Wagner. Häufig würden in historischen Gärten Abgüsse, Kopien oder Repliken aufgestellt. „Wir möchten das wertvolle Juwel Abteigarten wieder für die Bevölkerung sichtbar machen. Dazu werden auch die verschiedenen Umgestaltungsmaßnahmen des vor 300 Jahren neu angelegten Barockgartens in einzelnen Abschnitten des Abteigartens anschaulich dargestellt“.

Foto-Galerie

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Musikalische Umrahmung
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Landrat Frank am Rednerpult
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Zahlreiche Gäste verfolgten den Festakt

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Volles Haus im Josephsaal
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Begrüßung durch Landrat Reinhard Frank
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Prominente Gesichter in der ersten Reihe

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Eigenbetriebsleiter Dr. Matthias Wagner unter den Gästen
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Mit Interesse wurden die Vorträge verfolgt
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Grußwort Prof. Dr. Claus Wolf, Präsident Landesamt für Denkmalpflege

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Grußwort Dr. Eckhard Wegner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
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Grußwort Prof. Dr. Wolfgang Reinhart MdL
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Musikalische Umrahmung

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Dipl.-Ing. Petra M. Martin M.A. vom Landesamt für Denkmalpflege
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Nach dem Festakt ging es in den Garten
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Kunstperformance "Lebendige Tugenden"

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Kunstperformance "Lebendige Tugenden"
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Kunstperformance "Lebendige Tugenden"
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Segnung durch Pater Joachim Rzesnitzek

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Durchschneiden des Bandes zur Eröffnung
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Flanieren durch den Garten im Abendlicht
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Performancekünstler mit Pater Joachim Rzesnitzek

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Musik mit SwingTwo
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Barockfeuerwerk zum Abschluss

Zu den aufwendigen Sanierungsarbeiten gehört unter anderem auch die Restaurierung der beiden wieder entdeckten Brunnen im Abteigarten vor dem Prälatenbau. Dazu wurden im gesamten Abteigarten neue Wasserleitungen verlegt. Warum der südliche Brunnen eine ungewöhnliche Tiefe von 1,70 Meter aufweist, stellt die Fachleute vom Landesamt für Denkmalpflege und von der Universität Würzburg immer noch vor ein Rätsel.

Im Zuge der Abteigartensanierung entdeckte man die ursprünglichen Brunnenausläufe an der Mauer zur Straße, im Juli 2016 kamen die ursprünglichen Wasserrinnen (Kanalverläufe) aus Stein sowie bislang unter der Erde verborgene Mauerteile aus dem 17. Jahrhundert zum Vorschein.

2016 begann die eigentliche Gestaltung des Gartens. Diese wurde bereits 2013 mit einem wettbewerbsähnlichen Ideenworkshop des Landesamtes für Denkmalpflege vorbereitet. Diesen Wettbewerb gewann der Landschaftsarchitekt Johann Senner mit seinem Büro Planstatt Senner aus Überlingen am Bodensee. Der Gestaltungsplan, das so genannte Parkpflegewerk, wurde eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Eigenbetrieb Kloster Bronnbach abgestimmt. So konnten die planerischen Grundlagen mit den denkmalpflegerischen Anforderungen sowie den Gegebenheiten vor Ort und einem hohen Besuchernutzen zusammengefasst werden.

Der Fund des ursprünglichen Bodenniveaus im Eingangsbereich vor dem Mittelbrunnen wird durch eine neu gestaltete Eingangssituation zum Abteigarten erlebbar gemacht. Eine Besonderheit stellen die originalen Bodenplatten aus dem 18. Jahrhundert dar. Diese bleiben neben den neu angelegten Kieswegen weiterhin für die Besucher sichtbar.

Ab Oktober 2016 bis zum Frühjahr 2017 setzte die Firma Pflanze und Garten GmbH aus Marktheidenfeld Grün- und Blühpflanzen. Die Bepflanzung erfolgte nach einem Pflanzkonzept mit einem detaillierten Pflanzplan. Dieser umfasst Buchs, pflegeleichte Stauden, historische Rosensorten sowie altbekannte Blumen, Kräuter und Nutzpflanzen.

Bei der Gestaltung des Bronnbacher Abteigartens nimmt die Kultivierung regionaler und historischer Nutz- und Zierpflanzen eine grundlegende Rolle ein. Im kleinen Nutzgartenbereich im südlichen Abteigarten wurden mehrjährige Stauden, verschiedene Garten- und Heilkräuter sowie winterharte Obstgehölze angepflanzt. Für alte Klostergärten besonders typische Sorten wie Kerbel, Marienblatt, Schafgarbe, Madonnenlilie, Quendel und Ringelblumen wurden im Abteigarten eingesetzt. Auch Johannisbeeren, Erdbeeren und Quitten beleben künftig neben Mangold, Erbsen, Artischocken und Rhabarber die Beete. Kleine Hecken aus immergrünem Gamander, Thymian und Rosmarin bilden den Rahmen der neuen Nutzgartenbeete neben einer Picknickecke mit Gartenmöbeln. Dazwischen erblühen Sonnenhut, Bartnelken und Gladiolen.

In den großen, dem Barock nachempfundenen Gartenteilen, wurden Blühpflanzen wie Astern, Schwertlilien und Glockenblumen sowie alte Rosensorten zwischen die vorhandenen Buchshecken gepflanzt. In der Nordhälfte des Abteigartens, Richtung Kirchenvorplatz, ist ein modernes Parterre angelegt. Im März 2017 kamen die originalen Sandsteinskulpturen an ihre ursprünglichen Standorte zurück. Eine Pergola sowie Sitzbänke zum Verweilen ergänzen die Gartenausstattung.

Um den kompletten Prozess der Sanierung verfolgen zu können, wurde eine Kamera im Obergeschoss des Prälatenbaus installiert. Sie nahm während der dreijährigen Baumaßnahme täglich jede Stunde zwei Fotos auf. Aus den rund 40.000 Einzelbildern entstand am Ende ein Zeitraffer-Kurzfilm, der die komplette Sanierung des Abteigartens in drei Minuten zusammenfasst.

Die Sanierung und Finanzierung des Bronnbacher Abteigartens war eine große Herausforderung. Es mussten für dieses Vorhaben ca. 2,7 Millionen Euro investiert werden. Darin eingeschlossen sind die Steinsanierung, also Mauern, Figuren, Balustrade und Brunnen, sowie die eigentliche Gartengestaltung. Dank einer Vielzahl von Unterstützern sind rund 2,0 Millionen Euro und damit eine Förderquote von über 75 Prozent für diese Investition zusammengekommen. Eingebracht haben sich das Land Baden-Württemberg, das Bundesbauministerium, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Lotto-Toto Baden-Württemberg, die Stiftung Christina Lachenmann, die Stiftung Rudolf Brand – Helmut Schöler sowie der Main-Tauber-Kreis.

Anlässlich der Wiedereröffnung des Bronnbacher Abteigartens finden die „Bronnbacher Gartentage“ von Freitag, 19., bis Sonntag, 21. Mai, statt. Geboten wird ein abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie: ein Gartenmarkt mit historischen Blumen- und Pflanzensorten, Gartenwerkzeugen und Holzprodukten, Konzerte zum Bronnbacher Musikfrühling, eine Kunstausstellung mit Werken von Julia Belot, Steinmetzvorführungen sowie Sonderführungen und Bastelaktionen für Kinder. Außerdem sind das ganze Jahr über vielfältige Veranstaltungen zum Thema Garten im Kloster Bronnbach geplant. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kloster-bronnbach.de.




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