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16.02.2017

Bischof Dr. Gebhard Fürst: Brief an Geflüchtete

Mit dem Appell, sich die Grundorientierungen unserer Gesellschaft anzueignen und diese zu unterstützen, hat sich Bischof Dr. Gebhard Fürst an die geflohenen Menschen gewandt, die auf dem Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart leben. In seinem Brief ruft der Bischof auch die Vertreter der Verbände der Muslime auf, den Integrationsprozess zu unterstützen.

Anlass für dieses Schreiben an die geflohenen Menschen war der „Welttag des Migranten und des Flüchtlings“ am 15. Januar. Der Brief liegt in deutscher, englischer, französischer und arabischer Sprache vor und wurde an Flüchtlingsunterkünfte, an die Vertreter muslimischer Verbände, an alle Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie an Multiplikatoren in Politik und Gesellschaft versandt. Auf Initiative von Landrat Reinhard Frank wurde der beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis vorliegende Brief in den Flüchtlingsunterkünften im Landkreis ausgehängt. „Ich unterstütze diese Aktion und die damit verbundene Botschaft“, sagte Landrat Frank.

Bischof Fürst weist in seinem Brief auf das im Evangelium überlieferte Gebot der Nächstenliebe hin. Er dankt den Menschen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Als Initialzündung für das Engagement der katholischen Kirche in der Flüchtlingsarbeit in Württemberg nennt er das im Frühjahr 2014 als Unterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung gestellte Kloster Weingarten. „Insgesamt 9000 geflüchtete Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche konnten wir teils in unseren Einrichtungen aufnehmen oder in Zusammenarbeit mit Landkreisen und Kommunen durch Mitarbeitende der Caritas betreuen“, schreibt Bischof Fürst. Die meist tragischen Erlebnisse der Menschen hätten ihn traurig und zugleich betroffen gemacht. Viele ihrer Schicksale habe er in sein Gebet hineingenommen.

Zum Gelingen der Integration gehöre aber auch der Beitrag auf Seiten derer, die nach Deutschland gekommen sind und noch kommen werden, „denn auch die Menschen, die seit Jahrzehnten oder gar Generationen in diesem Land leben, empfangende, gastgebende und beherbergende Menschen haben Sorgen und Erwartungen“, meint Bischof Fürst.

Der Geistliche ermutigt die Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen. „Diese fußt auf Grundwerten, die wir nicht aufgeben werden und wollen“, heißt es in dem Brief. Zu den Werten und Grundorientierungen zählt die Anerkennung der Verfassung, der Gesetze sowie der Gleichberechtigung von Mann und Frau, erklärt der Bischof von Rottenburg-Stuttgart.

Als besonders schmerzlich empfindet der Bischof, dass Religion missbraucht werde, um Gewalt, Hass und Ausgrenzung zu rechtfertigen. Dies sei der Fall, wenn Menschen unter dem Vorwand, das sogenannte „christliche Abendland“ zu verteidigen, Menschen anderer Herkunft, anderer Kulturkreise und anderen Glaubens beleidigen oder angreifen. „Ich werbe daher sehr um ein friedliches Neben- und Miteinander von Christen, Muslimen, Juden, Atheisten und Menschen jedweder Glaubensrichtung in unserer Gesellschaft“, schreibt Bischof Fürst. Auch eine gemeinsame Sprache zu sprechen, sei ein wichtiger Beitrag zum gegenseitigen Verständnis.

Er lade einmal im Jahr Vertreter der verschiedenen Verbände der Muslime zum Austausch und Gespräch ein. Vor allem die, die bereits vor vielen Jahren nach Deutschland gekommen sind, seien wichtige Brückenbauer zwischen der Kultur ihrer Herkunftsländer und der Kultur in Deutschland. Sie könnten dazu beitragen, dass die neu in Deutschland Ankommenden Geborgenheit erleben und verhindern, dass sie in extremistisches Gedankengut abdriften.

Im Hinblick auf die Krisenherde auf der Erde wünscht sich Bischof Fürst für die Zukunft, „dass ein friedliches Zusammenwachsen und Zusammenleben in Geschwisterlichkeit ohne Hass, Terror und Gewalt auf der gesamten Welt möglich wird“.

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